Der wahre “Vater“ Europas
Der Präsident der Internationalen Paneuropa-Union, Alain Terrenoire, veröffentlichte in den Europäischen Briefen der Europa Gesellschaft Coudenhove-Kalergi den Artikel unter dem Titel „Richard Coudenhove-Kalergi ist der wahre 'Vater' Europas“.
Richard Coudenhove-Kalergi ist der wahre “Vater“ Europas
In den zwanziger Jahren, nach dem tödlichsten Krieg in der Geschichte der Menschheit, verstand diese visionäre und kultivierte Persönlichkeit, dass nur ein Europa, das in einem gesamteuropäischen Raum in all seinen geopolitischen Räumen vereint ist, in der Lage wäre den Frieden zu garantieren, seinen Platz im Weltwirtschaftsaustausch einzunehmen und sich als einflussreiche Macht zu behaupten.
Coudenhove-Kalergi wusste, dass Deutschland und Frankreich sich zu diesem Zweck arrangieren und gemeinsam handeln mussten. Dies war die Basis für den den Briand/Stresemann-Plan, der 1929 dem Völkerbund vorgelegt wurde.Trotz der verschiedenen fremdenfeindlichen, rassistischen, autoritären und autokratischen Regime, die sich in den 1930er Jahren in Europa ausbreiteten, entmutigte Coudenhove-Kalergi diese Situation nicht. Er konnte allerdings seinen Kampf erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges wieder aufnehmen. Die Freundschaft zwischen dem Gründer von Paneuropa und de Gaulle hat sich von 1943 bis zum Tod von Präsident de Gaulle entwickelt. Durch Treffen und einen regen Briefaustausch hörten sie nie auf an ihrem europäischen Projekt zu arbeiten.
Für Coudenhove-Kalergi sollte Paneuropa ohne Großbritannien aber mit starker Abstützung auf eine französisch-deutsche Zusammenarbeit entstehen. Durch diese neue Machtbildung wäre Paneuropa in die Lage versetzt mit den Vereinigten Staaten von Amerika, der UdSSR und China zu konkurrieren. Für de Gaulle würde nur die Aussicht auf ein vereintes Europa ihren Völkern und Nationen ermöglichen, die Werte ihrer Zivilisation, ihres wirtschaftlichen Gewichts und ihren geopolitischen Einflusses zu bewahren. Für de Gaulle beruhte die Hauptsäule dieses Europa auf einer immer engeren Beziehung zu Deutschland. Er war auch der Ansicht, dass die demokratische Unterstützung der Europäer als Quelle der Legitimität und Souveränität gegeben sein müsse. Für de Gaulle sollte ein Europa als Verbündeter der Vereinigten Staaten unabhängig sein und keine subalterne Stellung einnehmen.
Schließlich könne dieses Europa der Nationalstaaten mit einem politischen Projekt und einer autonomen Verteidigungsfähigkeit nicht von einer supranationalen Kommission, sondern von den einzelnen demokratisch legitimierten Regierungen regiert werden. Dies wird gegenwärtig klar von den europäischen Ländern durch eine Wahl nach der anderen zum Ausdruck gebracht.
Die "Europäischen Briefe" werden von der Coudenhove-Kalergi Gesellschaft herausgegeben. Sie erscheinen fallweise mit Beiträgen engagierter Europäer und Europäerinnen. Richard Coudenhove-Kalergi, mit Wurzeln in mehreren europäischen Ländern, hat bald nach Ende des Ersten Weltkriegs als Gegengewicht zu den totalitären Versuchungen von Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus die Idee eines vereinten Europas entwickelt, 1923 die Paneuropa-Union gegründet und mit seinen Initiativen maßgeblich zur Schaffung des Europa-Rates 1949 beigetragen. Heute ist die Europäische Union die politische und wirtschaftliche Verwirklichung des europäischen Friedensprojektes. Die 1978 mit dem Sitz in Genf gegründete Coudenhove-Kalergi-Stiftung wurde formell in die Europa-Gesellschaft Coudenhove-Kalergi umgewandelt und will durch Publikationen, Studienprojekte und Förderungspreise einen Beitrag zur Sicherung dieses Vorhabens leisten.
Alain Terrenoire, Präsident der Internationalen Paneuropa-Union