Ungarns Rückkehr nach Europa
Anlässlich der am 12. April 2026 in Ungarn abgehaltenen Parlamentswahlen begrüßte die Internationale Paneuropa-Union in einer Erklärung das Ergebnis als eine starke Bestätigung der europäischen Orientierung des ungarischen Volkes sowie der Rückkehr Ungarns nach Europa.
In der Hauptstadt Budapest wie im ganzen Land — das vor 37 Jahren beim Paneuropäischen Picknick als erstes Land des Ostblocks den Eisernen Vorhang durchschnitt und den Weg zur Einigung des Kontinents öffnete — war der 12. April von begeisterten Rufen geprägt. Während der Vorsitzende der siegreichen Tisza-Partei, Péter Magyar, am Donauufer vor dem Parlamentsgebäude über die Rückkehr Ungarns in den europäischen politischen und institutionellen Rahmen sprach, ertönte spontan der Ruf, begleitet vom Schwenken der Fahnen der Europäischen Union und Ungarns:
„Europa! Europa! Europa!“
Damit wurde der Welt eine symbolträchtige Botschaft übermittelt: Ungarn hat seinen Entwicklungskurs auf ein geeintes Europa ausgerichtet.
Die Paneuropa-Union hebt drei zentrale Botschaften der ungarischen Wahlen besonders hervor:
– die Bedeutung eines geeinten, souveränen, demokratischen und solidarischen Europas
– das Bekenntnis der ungarischen Bürgerinnen und Bürger, insbesondere der Jugend, zu europäischen Werten
– die Stärke der Demokratie, autokratischen Fehlentwicklungen Grenzen zu setzen
Die Paneuropa-Union würdigt die Botschaft, welche die ungarischen Bürgerinnen und Bürger ihrer politischen Führung im gegenwärtigen geopolitischen Kontext übermittelt haben. Damit endet eine lange Belastungsprobe für die europäische Solidarität und Einheit. Ungarn hat klar gezeigt, dass Europa seine politische Eigenständigkeit und Souveränität stärken muss: Es darf sich weder im Osten noch im Westen Regimen unterordnen, die es beherrschen wollen; es darf autokratischen Herrschaftsformen nicht nachgeben; es darf keine imperialen Bestrebungen unterstützen; es muss sich für einen offenen europäischen Raum ohne gewaltsame Grenzverschiebungen einsetzen.
Die paneuropäische Idee hat in Ungarn erneut ihre Aktualität bewiesen. In einem Europa, das mit geopolitischen Spannungen, erneuten imperialen Bestrebungen, Migrationsbewegungen und raschem technologischem Wandel konfrontiert ist, erinnert sie daran, dass die Einheit der Völker des Kontinents nicht nur ein politisches oder wirtschaftliches Projekt ist, sondern auch ein zivilisatorisches Vorhaben auf der Grundlage gemeinsamer Werte und historischer Erfahrungen. Der paneuropäische Gedanke bleibt daher ein wertvoller Impuls für die friedliche Einigung Europas sowie für die Stärkung von Zusammenarbeit, Solidarität und gegenseitigem Vertrauen unter den Völkern.
Ein geeintes Europa hat eine wichtige Aufgabe in der internationalen Ordnung. Als Kontinent, der durch die schmerzlichen Erfahrungen von Kriegen ein starkes Friedensbewusstsein entwickelt hat, kann und soll Europa seine Vision von Zusammenarbeit, Versöhnung und friedlicher Konfliktlösung auch in andere Teile der Welt tragen. Das europäische Projekt trägt zum Aufbau einer stabileren und gerechteren internationalen Ordnung sowie zur Wahrung des Weltfriedens bei.
In dieser gemeinsamen Erklärung übermitteln auch die Vizepräsidentin der Internationalen Paneuropa-Union, Walburga Habsburg Douglas, der Präsident des Französischen Komitees der Paneuropa-Union, Éric Campion, der Präsident der Paneuropa-Union Deutschland, Bernd Posselt, sowie der Präsident der Paneuropa-Union der Ukraine, Prof. Ihor Zhaloba, ihre Stellungnahmen zu den richtungsweisenden Wahlen in Ungarn, die diesem gemeinsamen Kommuniqué als integrale Bestandteile beigefügt sind.
Prof. Pavo Barišić, Präsident
Stellungnahme der Vizepräsidentin Walburga Habsburg Douglas
„Mit der klaren Entscheidung für einen Richtungswechsel haben die Ungarinnen und Ungarn bewiesen, dass der Aufstand von 1956 sowie das Paneuropäische Picknick von 1989 mit dem physischen Abbau des Eisernen Vorhangs weiterhin gültige Werte und Orientierungspunkte sind“, so die Internationale Vizepräsidentin der Paneuropabewegung, Walburga Habsburg Douglas, in einer Stellungnahme zum Wahlergebnis in Ungarn.
Das Wahlergebnis sollte jedoch nicht als Anlass für ein „Ende gut, alles gut“ verstanden werden. Denn, so Habsburg Douglas: „Es wird noch harter Arbeit bedürfen, die strukturellen Verbindungen nach Moskau sowie die Einflüsse der vom Duo Orbán–Szijjártó geschaffenen Strukturen zu überwinden und Ungarn auf einen europäischen Weg zurückzuführen.“
Stellungnahme der Paneuropa-Union Frankreich – Präsident Éric Campion
Marcelino Oreja, ehemaliger Generalsekretär des Europarates, sprach im Juni 1987 in Budapest von „der ersten Schwalbe, die den Frühling ankündigt“.
Ein wenig Poesie in der Politik kann nachhaltige Wirkung entfalten. Die Ereignisse vom Sonntag, dem 12. April 2026, belegen dies und sind geprägt von einer bemerkenswerten zivilgesellschaftlichen Mobilisierung für ein europäisches Ungarn.
Im Juni 1989 wurde auf dem Heldenplatz Imre Nagy vor einer riesigen Menschenmenge rehabilitiert. Dieser Volkswille hat sich erneut kraftvoll geäußert: eine bedeutende Mobilisierung gegen Korruption und jede Form von Einmischung sowie für ein Bekenntnis zu einem souveränen Europa.
Im August 1989 organisierte Otto von Habsburg in Sopron das Paneuropäische Picknick, einen Gründungsmoment der europäischen Wiedervereinigung.
Getreu seinem Erbe war, ist und bleibt Paneuropa der Verteidigung der Werte von Frieden, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und der Achtung der menschlichen Person verpflichtet.
Isaac Newton, Galileo Galilei, René Descartes und Gottfried Wilhelm Leibniz — deren Figuren die Ungarische Akademie der Wissenschaften zieren — bleiben Zeugen dieses Erbes und tragen eine weiterhin aktuelle Botschaft: die einer gemeinsamen Geschichte, einer notwendigen Annäherung angesichts gemeinsamer Herausforderungen und einer gemeinsamen europäischen Zukunft.
Paneuropa-Frankreich gratuliert dem ungarischen Volk sowie Péter Magyar.
Stellungnahme des Präsidenten der Paneuropa-Deutschland Bernd Posselt
Als der bisherige ungarische Oppositionsführer Péter Magyar nach der Parlamentswahl vom 12. April 2026 verkündete: „Wir haben Ungarn befreit“, brach in der in Budapest versammelten Menge Jubel aus. Zwar handelte es sich nicht mehr um eine Diktatur wie in der kommunistischen Zeit, doch hatte sich das Land in den letzten Regierungsjahren von Viktor Orbán zunehmend in Richtung Unfreiheit bewegt und war zudem immer stärker unter den Einfluss Moskaus geraten.
Diese Entwicklung hätte niemand erwartet, der die wichtige Rolle Ungarns in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bei der Befreiung Mittel- und Osteuropas miterlebt hat. Ab 1985 erkannte der realistische Reformflügel innerhalb des Budapester Regimes, dass die Einparteiendiktatur nicht mehr haltbar war und die kommunistische Unterdrückung des ungarischen Volkes zu bröckeln begann. Überall im Land tauchten Fahnen und Wappen auf, auf denen wieder – wie einst – die Heilige Stephanskrone zu sehen war. Internationalen Beobachtern erklärte man geduldig, aber nachdrücklich, dies sei kein Ausdruck von Monarchismus, sondern stehe vielmehr für eine Westorientierung.
Es war kein Zufall, dass Péter Magyar, der Viktor Orbán nunmehr trotz massiver russischer und US-amerikanischer Einflussnahme demokratisch besiegt hat, nicht nur von einer neuen Befreiung Ungarns sprach, sondern auch eine erneute Öffnung hin zur europäischen Idee ankündigte. Bei dieser gewaltigen Aufgabe braucht er viel Glück und Unterstützung, denn das Ringen russischer Netzwerke, teilweise mit Unterstützung aus den USA, um die Destabilisierung Mitteleuropas geht im gesamten Raum von Bulgarien und Rumänien bis hin zum Baltikum weiter – nicht zuletzt auch in Ungarn.
Stellungnahme der Paneuropa-Union Ukraine – Präsident Prof. Ihor Zhaloba
Die Paneuropa-Union Ukraine begrüßt die Ergebnisse der jüngsten Wahlen in Ungarn als einen klaren Ausdruck des demokratischen Willens des ungarischen Volkes.
Ungarns reicher historischer und kultureller Beitrag zu Europa war stets eng mit der umfassenderen europäischen Idee verbunden – einer Idee, die sowohl die Vielfalt der Nationen als auch ihre gemeinsame Verantwortung für die Zukunft des Kontinents respektiert. In diesem Sinne sehen wir das erneuerte öffentliche Mandat als Gelegenheit, Ungarns konstruktive Rolle innerhalb der europäischen Gemeinschaft weiter zu stärken.
Die paneuropäische Bewegung hat stets den Grundsatz vertreten, dass ein starkes Europa auf einem ausgewogenen Verhältnis zwischen nationaler Souveränität und wirksamer Zusammenarbeit beruht. Sie stützt sich zudem auf das christlich-humanistische Erbe Europas, das das Verständnis des Kontinents von Menschenwürde, Solidarität und Verantwortung geprägt hat. Wir sind zuversichtlich, dass Ungarns Engagement bei der Gestaltung gemeinsamer europäischer Politik zur Einheit, Stabilität und zum gegenseitigen Verständnis in ganz Europa beitragen kann.
In einer Zeit, in der Europa weiterhin mit ernsthaften sicherheitspolitischen Herausforderungen konfrontiert ist, insbesondere infolge des andauernden russischen Krieges gegen die Ukraine, ist es unerlässlich, dass die europäischen Nationen mit einem Sinn für Solidarität und strategische Verantwortung handeln. Ein geeintes und zukunftsorientiertes Europa ist der Schlüssel zur Sicherung eines dauerhaften Friedens.
Die Paneuropa-Union Ukraine ist bereit, den Dialog und die Zusammenarbeit mit ungarischen Partnern innerhalb der Internationalen Paneuropa-Union zu vertiefen – im gemeinsamen Streben nach einem friedlichen, geeinten und widerstandsfähigen Europa.
Erklärung (DE) (PDF)