Über hybride Bedrohungen in Toulon
Das Französische Komitee der Paneuropa-Union veranstaltete vom 25. bis 27. September 2026 in Toulon die 6. Sommeruniversität zum Thema „Hybride Bedrohungen“.
Eric Campion, Präsident der Französischen Paneuropa-Union und Vizepräsident der Internationalen Paneuropa-Union, erläuterte, dass Paneurope France mit dieser Thematik die Umsetzung des in der 2025 in Straßburg verabschiedeten Resolution festgelegten Programms fortsetze. Die Initiative ist Teil einer umfassenderen Kampagne zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit, zur Erarbeitung eines Weißbuchs und zur Entwicklung eines Systems von Mikrozertifikaten in Zusammenarbeit mit dem CNAM (Conservatoire national des arts et métiers, dem französischen Nationalkonservatorium für Kunst und Handwerk).
Mit ihren Programmen ermutigt Paneurope France jede Mitgliedsorganisation, zur Stärkung der europäischen Souveränität beizutragen. Ziel ist es, die Bevölkerung zu schützen und die kollektive Sicherheit und Stabilität zu fördern. Auf diese Weise werden die paneuropäischen Organisationen zu aktiven Trägern der Vision von Richard Coudenhove-Kalergi.
Die einleitenden Vorträge über die Cyberresilienz von Versorgungsnetzen mit besonderem Augenmerk auf die Stromversorgung hielten die renommierten Universitätsprofessoren und Experten Jean-Luc Thomas und Véronique Legrand. Jacques Yves Campion moderierte die Diskussion.
Im Mittelpunkt der Gespräche standen physische Sabotageakte, Drohnenangriffe, Angriffe auf Unterseekabel, Cyberangriffe auf Wasser- und Stromnetze, Desinformation sowie die Manipulation rechtlicher und wirtschaftlicher Systeme.
Admiral Paul Ausseur und Andrei Crigan aus Moldau nahmen an einer Podiumsdiskussion über politische Zuständigkeiten und demokratische Resilienz teil. Sie wiesen darauf hin, dass eine Vielzahl hybrider Angriffe das Kräfteverhältnis verändere und die Souveränität der Staaten, die europäische Souveränität sowie die Autonomie von Organisationen schwäche.
Angesichts dieser Risiken, die inzwischen systemischen Charakter angenommen haben, stehen Unternehmen, Krankenhäuser, Flughäfen, staatliche Behörden und für die Wasser- und Stromversorgung zuständige Organisationen an vorderster Front bei der Verteidigung der kollektiven Sicherheit und Souveränität. Hybride Bedrohungen beschränken sich längst nicht mehr auf den militärischen oder staatlichen Bereich.
Der Ehrenpräsident der Internationalen Paneuropa-Union, Alain Terrenoire, sprach über die Herausforderungen, denen sich Europa angesichts des unerbittlichen Wettbewerbs zwischen den Großmächten seit Beginn des 21. Jahrhunderts gegenübersieht. Er betonte, wie notwendig es sei, sich für ein unabhängiges und starkes Europa als globale Macht einzusetzen, die den Frieden verteidigen und die Entwicklung der Mitgliedstaaten fördern kann – im Geiste der Ideen von Richard Coudenhove-Kalergi und Charles de Gaulle.
In seiner Rede betonte Pavo Barišić, Präsident der Internationalen Paneuropa-Union, dass sich das Wesen der Sicherheit rasch verändere. Im digitalen Zeitalter gehen Sicherheitsfragen über die traditionellen Konzepte der territorialen Verteidigung und der Stärkung militärischer Fähigkeiten hinaus. Er stellte fest, dass hybride Bedrohungen zwar die Mittel der Auseinandersetzung veränderten, nicht aber den grundlegenden Zweck europäischer Politik: den Schutz von Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschenwürde.
„Deshalb ist es heute besonders wichtig, das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger zu stärken und den Raum für öffentliche Meinungsbildung zu schützen. Verteidigung fällt nicht mehr ausschließlich in den Zuständigkeitsbereich des Militärs. Die Bürgerinnen und Bürger sind zunehmend ideologischem Druck und Desinformation ausgesetzt. Gerade deshalb werden sie zur ersten Verteidigungslinie der demokratischen Gesellschaft. Gleichzeitig gilt es, wirksame Cybersicherheitsstrategien zu entwickeln und jene Bereiche zu schützen, von denen das tägliche Leben der Gesellschaft abhängt: Energiequellen, Wasserversorgung, Kommunikationssysteme und andere kritische Infrastrukturen. All diese Bereiche können heute unterschiedlichen Bedrohungen ausgesetzt sein. Daher müssen die Entscheidungsträger stärker sensibilisiert und zugleich die Fähigkeiten zur Erkennung, Prävention und wirksamen Bekämpfung von Cyber- und hybriden Bedrohungen systematisch ausgebaut werden.“
Zum Abschluss seiner Rede betonte Barišić, dass der Preis des Friedens zu hoch sei, als dass Europa dessen Bewahrung anderen überlassen dürfe. Europa verfüge über wirtschaftliche und technologische Stärke. Nun brauche es auch strategische Klarheit und den Mut, Verantwortung zu übernehmen. Die Herausforderungen seien beträchtlich, doch die europäische Geschichte zeige, dass wir an der Bewältigung anspruchsvoller Aufgaben wachsen können. Wenn Europa die Kraft zu gemeinsamem Handeln finde, könne es mehr tun, als lediglich zu reagieren: Es könne eine gemeinsame Zukunft im Zeichen des Friedens gestalten – nicht nur innerhalb seiner Grenzen, sondern weltweit. Barišić rief dazu auf, sich entschiedener für die Verwirklichung der paneuropäischen Vision einzusetzen: für ein geeintes, starkes und unabhängiges Europa, das seine Friedensmission auch auf internationaler Ebene voranbringt.
Das Programm der Sommeruniversität endete mit einer Bootsfahrt durch den Marinehafen von Toulon, in dem der nuklear angetriebene Flugzeugträger Charles de Gaulle stationiert ist, sowie mit einem Besuch der kulturellen Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Programm (FR) (PDF)



